Die große Entdeckung
Die Bibel war mein Lehrbuch. Sie beantwortete meine Fragen, wie ich geheilt wurde; aber die Heilige Schrift hatte eine neue Bedeutung für mich, eine neue Sprache. Ihre geistige Bedeutung kam ans Licht, und ich erfaßte zum erstenmal den geistigen Sinn dessen, was Jesus gelehrt und bewiesen hatte, sowie das Prinzip und die Regel der geistigen Wissenschaft und des metaphysischen Heilens — mit einem Wort: die Christliche Wissenschaft.
Ich nannte sie christlich, weil sie voller Erbarmen, hilfreich und geistig ist. Gott nannte ich unsterbliches Gemüt. Das, was sündigt, leidet und stirbt, nannte ich sterbliches Gemüt. Die physischen Sinne oder die sinnengebundene Wesensart nannte ich Irrtum und Schatten. Seele bezeichnete ich als Substanz, weil Seele allein wahrhaft substantiell ist. Gott beschrieb ich als individuelle Wesenheit, aber Seine Körperlichkeit verneinte ich. Ich machte geltend, daß das Wirkliche ewig ist; sein Gegenteil oder das Zeitliche beschrieb ich als unwirklich. Geist nannte ich die Wirklichkeit und die Materie die Unwirklichkeit.
Ich wußte, daß die menschliche Auffassung Gott für ein körperlich persönliches, dem Menschen ähnliches Wesen hält und daß alle fünf physischen Sinne für die körperliche Persönlichkeit des Gemüts und das wirkliche Dasein der Materie zeugen; doch ich lernte verstehen, daß diese materiellen Sinne falsche Zeugen sind, daß die Materie Geist weder sieht, hört noch fühlt und daher nicht fähig ist, sich irgendeine richtige Vorstellung von dem unendlichen Gemüt zu bilden. „Wenn ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr" (Joh 5:31).
Ich erschaute mit unaussprechlicher Ehrfurcht den Sinn, der darin lag, daß unser großer Meister diejenigen, die er heilte, nicht über ihre Krankheit oder deren Symptome befragte, und die wunderbare Sicherheit, mit der er weder Gehorsam gegen hygienische Gesetze verlangte noch Arzneien verschrieb, um die heilende göttliche Kraft zu unterstützen.
RuE 25:3-26:4Die in der Bibel berichteten Wunder, die mir bis dahin übernatürlich erschienen waren, wurden göttlich natürlich und verständlich, obwohl uninspirierte Bibelausleger aus Unwissenheit Christi Heiltätigkeit als übernatürlich bezeichnen, anstatt darin das Wirken des göttlichen Gesetzes zu sehen.
RuE 26:13Ich hatte verstehen gelernt, daß das Denken vergeistigt werden muß, um Geist erfassen zu können. Es muß ehrlich, selbstlos und rein werden, um auch nur im geringsten ein Verständnis von Gott in der göttlichen Wissenschaft zu erlangen. [...] Unser Vertrauen auf materielle Dinge muß in eine Wahrnehmung der geistigen Dinge und einen Verlaß darauf umgewandelt werden.
RuE 28:10-14, 14-17 UnserIch hatte verstehen gelernt, daß Gemüt den Körper wieder aufbaut und daß nichts anderes dies vermag. Wie das vor sich geht, mußte die geistige Wissenschaft des Gemüts offenbaren. Damals war es noch ein Geheimnis für mich, inzwischen jedoch habe ich es verstehen gelernt. Die ganze Wissenschaft ist eine Offenbarung. Ihr Prinzip ist göttlich, nicht menschlich, und es reicht höher als die Sterne des Himmels.
RuE 28:25Grundsteine
Die folgenden Begriffe von der Gottheit, die von begrenzten Theorien, Lehrmeinungen und Hypothesen bekämpft werden, erkannte ich als beweisbare Regeln in der Christlichen Wissenschaft, an denen wir festhalten müssen.
Was immer von dem einen göttlichen Gemüt, Gott, abweicht — oder Gemüt in Gemüter, Geist in Geister, Seele in Seelen und das göttliche Wesen in Einzelwesen aufteilt —, ist eine falsche Behauptung über das unfehlbare göttliche Prinzip der Wissenschaft, eine Behauptung, die die Bedeutung der Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart des Geistes beeinträchtigt und menschlichen, nicht göttlichen Ursprungs ist.
Die Bezeugungen des Geistes und die Bezeugungen der fünf körperlichen Sinne liegen miteinander im Kampf; und dieser Kampf muß fortdauern, bis durch den endgültigen Sieg des Geistes in unwandelbarer Harmonie der Frieden erklärt wird. Die göttliche Wissenschaft verwirft den Anspruch von Sünde, Krankheit und Tod aufgrund der Allmacht und Allgegenwart Gottes oder des göttlichen Guten.
Alles Bewußtsein ist Gemüt, und Gemüt ist Gott. Daher gibt es nur ein Gemüt, und dieses eine ist das unendliche Gute, das alles Gemüt durch die Widerspiegelung, nicht durch die Aufteilung Gottes, verleiht.
RuE 56:1-25Die große Offenbarung
Die Christliche Wissenschaft offenbart die erhabene Wahrheit, daß es Irrtum ist zu glauben, der Mensch habe ein begrenztes, irrendes Gemüt und folglich ein sterbliches Gemüt, eine sterbliche Seele und ein sterbliches Leben.
In der Wissenschaft ist Leben nicht zeitlich, sondern ewig, ohne Anfang oder Ende.
Die Christliche Wissenschaft offenbart Gemüt, den einzig lebendigen und wahren Gott, und alles, was von Ihm, dem Gemüt, erschaffen ist, als harmonisch, unsterblich und geistig; die fünf materiellen Sinne definieren Gemüt und Materie als verschiedenartig, aber in bezug auf Intelligenz und Dasein als voneinander abhängig.
RuE 59:1-5,7-8,22-27Die Christliche Wissenschaft offenbart Gott und Seine Idee als das All und Einzige. Sie erklärt, daß das Böse die Abwesenheit des Guten ist; das Gute dagegen ist der immergegenwärtige Gott, und daher ist das Böse unwirklich und das Gute allein wirklich. Die Christliche Wissenschaft sagt zur Woge und zum Sturm: „Verstumme!", und es wird eine große Stille. In seiner Unwissenheit über die Wissenschaft fragt der materielle Sinn: „Wann wird das Toben der materiellen Elemente aufhören?" Die Wissenschaft sagt zu Krankheit jeder Art: „Wisse, daß Gott die Allmacht und die Allgegenwart ist und daß es nichts neben Ihm gibt"; und die Kranken sind geheilt. Der materielle Sinn sagt: „Ach, wann werden meine Leiden ein Ende haben? Wo ist Gott? Krankheit ist etwas neben Ihm, was Er nicht heilen kann oder nicht heilen will."
Die Christliche Wissenschaft ist die einzige sichere Grundlage der Harmonie. Der materielle Sinn widerspricht der Wissenschaft, denn die Materie und ihre vermeintlichen Formationen nehmen keine Kenntnis von den geistigen Tatsachen des Universums oder von dem wirklichen Menschen und Gott.
RuE 60:15-35Die Christliche Wissenschaft erklärt, daß Krankheit eine Annahme ist, eine latente Furcht, die sich am Körper in verschiedenartigen Formen von Furcht oder Krankheit bekundet. Diese Furcht entsteht unbewußt im geheimen Gedanken, wie du dich zum Beispiel beim Erwachen aus dem Schlafe krank fühlst und damit die Wirkung einer Furcht erlebst, deren Vorhandensein dir nicht bewußt ist; bist du dir aber beim Einschlafen tatsächlich der Wahrheit der Christlichen Wissenschaft bewußt — daß nämlich die Harmonie des Menschen ebensowenig beeinträchtigt werden kann wie der Rhythmus des Weltalls—, dann kannst du nicht in Furcht oder mit irgendeinem Leiden erwachen.
Die Wissenschaft sagt zur Furcht: „Du bist die Ursache aller Krankheit; aber du bist eine von dir selbst gebildete Falschheit—du bist Finsternis, ein Nichts. Du bist ohne Hoffnung und, ohne Gott in der Welt'. Du hast kein Dasein und keine Daseinsberechtigung, denn, die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus'."
Gott ist überall. „Es ist keine Sprache noch Rede, da man nicht ihre Stimme höre"*; und diese Stimme ist die Wahrheit, die den Irrtum zerstört, und die Liebe, die die Furcht austreibt.
Die Christliche Wissenschaft offenbart folgende Tatsache: wenn das Leiden besteht, so existiert es nur im sterblichen Gemüt, denn die Materie hat keine Empfindung und kann nicht leiden.
Wenn du jede Vorstellung von Krankheit und Leiden aus dem sterblichen Gemüt ausschließt, dann können sie nicht am Körper gefunden werden.
RuE 61:3-31